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06.12.2009
160 Jahre Veritas

Kautschuk war Veränderung und der Wandel hatte einen Namen: Veritas. Am 6. Dezember 1849 gründete William Elliot in der Mühlenstraße 70 in Berlin die „Berliner Gummiwaarenfabriken“ – zehn Jahre nachdem Charles Goodyear den Vulkanisationsprozess entdeckte. Von der kleinen „Gummiwaarenfabrik“ zu einem weltweit tätigen Systemlieferanten der Automobilindustrie – nur wenige Unternehmen können auf eine so lange Erfolgsgeschichte zurückblicken wie Veritas. „Wir können mit Stolz sagen, das älteste deutsche kautschukverarbeitende Unternehmen zu sein“, so Daniel Chr. Glöckner, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation der Veritas AG.

Hier die wichtigsten Ereignisse der 160-jährigen Unternehmensgeschichte:

UMFIRMIERUNG ZUR AKTIENGESELLSCHAFT
Im Jahr 1883 firmiert das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und nennt sich „Berliner Gummiwaarenfabrik AG”. Schon drei Jahre später fusioniert sie mit der „Frankfurter Gummiwarenfabrik Wendt, Buchholz & Co.”, die ihren Sitz im hessischen Gelnhausen hatte. Der Hauptsitz der „Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaaren-Fabriken AG” wird Berlin; in Gelnhausen besteht ein Zweigwerk in der Barbarossastraße. 1899 vernichtet am Standort Gelnhausen ein großes Brandunglück den größten Teil der Produktionsanlagen. Zwei Jahre später sind die neuen Produktionsanlagen wieder hergerichtet. Im April 1905 findet eine weitere Fusion statt. Das neue Unternehmen firmiert unter dem langen Namen „Vereinigte Berlin Frankfurter Gummiwarenfabriken AG“. Das zweite „a“ bei Gummiwaaren geht durch die Rechtschreibreform 1901 verloren. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg steht das damalige Unternehmen auf der Höhe seines Erfolges und produziert unter der eingetragenen Markenbezeichnung, der Schutzmarke „Veritas” neben technischen Gummiwaren aller Art auch Automobilreifen mit und ohne Spikes. Die Firma hat sich zu einem Großunternehmen entwickelt und unterhält zwei Werke in Berlin, eines in Gelnhausen, eines in Dresden sowie eines im damals böhmischen Grottau (heute Hrádek nad Nisou).

1929: EIN NEUER NAME
In Anlehnung an die bekannten „Veritas”- Artikel wird der Firmenname in „Veritas Gummiwerke AG” geändert, da es aufgrund des bisherigen Namens auch zu Absatzschwierigkeiten in den neuen Nationalstaaten Südosteuropas gekommen war. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bringen 1932 die Produktion fast zum Erliegen. Nur das Werk im nun tschechoslowakischen Grottau hat volle Auftragsbücher. Es unterstützt die deutschen Werke. 1933 gelingt im Werk Berlin in Zusammenarbeit mit dem Versuchslaboratorium der I.G.-Farben aus Leverkusen die praktische Einführung des inzwischen entwickelten künstlichen Kautschuks „Buna” in die Fertigung. Durch die Herstellung des ersten Bremsschlauchs aus Buna für die Deutsche Reichsbahn erbringt die Veritas den Beweis, dass sich hochwertige Fabrikate aus synthetischen Kautschuk „Buna” herstellen lassen. Die erste Realität gewordene Innovation auf diesem Gebiet!

Die drohende Gefahr eines zweiten Weltkrieges bringt den Aufsichtsrat und das Direktorium dazu, sich aus den geschäftlichen Aktivitäten in Osteuropa zurückzuziehen. Das Werk im damals böhmischen Grottau wird verkauft. Das Werk erwirtschaftete niemals Verluste und war in der Weltwirtschaftskrise von erheblicher Bedeutung für das Gesamtunternehmen.
„Wir wissen so gut wie gar nichts über den Gründer William Elliot und warum er das Werk so schnell wieder verkaufte, aber wir sind dankbar, ein so gut geführtes Archiv zu haben“, so Glöckner. Bei 160 Jahren wechselvoller Unternehmensgeschichte könne aber besonders aus der Gründungszeit das eine oder andere Dokument fehlen. Der damalige Vorstand verlagerte 1943 in weiser Voraussicht die Unternehmensleitung von Berlin-Lichterfelde nach Gelnhausen. Somit wurde auch das Unternehmensarchiv gerettet, denn wenig später wurde das Werk in Berlin-Lichterfelde durch die ständigen Fliegerangriffe erheblich zerstört.

GELNHAUSEN WIRD STAMMSITZ
Zwei Jahre nach Kriegsende wird auch der Stammsitz der Gesellschaft offiziell von Berlin in das Werk Gelnhausen verlegt, da dieses im Krieg nicht zerstört wurde. Außerdem ist Berlin durch das Abkommen der Siegermächte vom Westen Deutschlands abgeschnitten. Die Währungsreform bringt neuen Schwung und neue Arbeitslust in die Werke Gelnhausen und Berlin. Durch die Berliner Blockade gerät das Werk in Berlin jedoch in Rohstoffschwierigkeiten. Zur 100-Jahr-Feier in der Gelnhäuser Jahnhalle, der heutigen Stadthalle, führt Peter Frankenfeld durch das Abendprogramm, der damals für Radio Frankfurt arbeitete.

1955 ist die Wirtschaftslage ausgezeichnet. Die Veritas nimmt ihre Dividendenzahlungen wieder auf und in Gelnhausen wird ein großzügig ausgestattetes Werkslaboratorium errichtet. In den Veritas Gummiwerken an den Standorten Berlin und Gelnhausen sind 700 Betriebsangehörige tätig. Ende 1950er Jahre wird die Arbeitszeit auf 45 Stunden pro Woche reduziert und 1959 für alle 750 Mitarbeiter die 44 Stunden-Woche eingeführt. Zu Beginn der 1960er Jahre kommt es zu einer Umsatzsteigerung von 20 Prozent und Arbeitskräfte sind knapp. Die ersten italienischen „Gastarbeiter“ werden eingestellt. Im Oktober 1961 verstirbt der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Wilhelm Poppe; er gehörte 23 Jahre lang dem Aufsichtsrat an. 1968/69 kommt es zu einem enormen Konjunkturaufschwung und der Umsatz steigt um 30 Prozent des Vorjahres an. 1970 tritt Jürgen Krebaum in den Vorstand der Veritas ein. Ein Jahr später werden die ersten Bereiche auf die Elektronische Datenverarbeitung umgestellt. In den 1970er Jahren bilden die Firmen Ullrich, Poppe und Veritas eine Exportgemeinschaft für die großen Industriemessen.

EINE NEUE EPOCHE BEGINNT
Ab 1978 entstehen in der Stettiner Straße die ersten Produktionshallen und der langsame Umzug der Veritas von der Barbarossastraße beginnt. Das zweite Werk in Gelnhausen beginnt Formen anzunehmen: die erste neue Halle dient der Schlauchfertigung. Nachdem die Verlagerung der Produktion nach Gelnhausen abgeschlossen ist, wird 1982 das Werk Berlin-Lichterfelde geschlossen. Damit geht nach 133 Jahren eine Epoche zu Ende, die mit der Gründung der ersten deutschen Gummifabrik begonnen hat und der Grundstein für die heutige Veritas ist. Am Standort Gelnhausen nimmt ein Jahr später eine neue Mischerei – eine der modernsten in Deutschland – die Produktion auf. Seit 2008 werden hier für die gesamte Veritas-Gruppe sowie die Unternehmen des Teilkonzerns Poppe alle Mischungen hergestellt.

1986 erfolgt die Übernahme der Ullrich Gummiwerke AG. Mit dem Kauf eines weiteren Grundstücks und dem durch die Übernahme der Ullrich AG erhaltenen Gelände wird langfristig die Voraussetzung für eine großzügige Planung des neuen Werksabschnittes geschaffen. Im Jahr 1990 wird mit der Unterstützung von Veritas die bundesweit erste staatliche Fachschule für Kautschuk- und Kunststofftechnik in Gelnhausen eingerichtet.
Starke Einbrüche in der Automobilindustrie führen 1992/93 auch bei Veritas zu erheblichen Umsatz- und Auftragsrückgängen. Nach 117 Jahren wird 1993 die Räumung des alten Betriebsgeländes an der Barbarossastraße planmäßig abgeschlossen. Die einzige Adresse der Veritas in Gelnhausen ist damit die „Stettiner Straße 1-9". Das Gelände wird saniert und Gelnhausen erhält mit der „Himmelauer Mühle“ ein kleines neues Wohngebiet in Insellage. Seit 1341 wurde des Areal für Gewerbezwecke, unter anderem als Papier-Mühle, genutzt. Der Name „Himmelauer Mühle“ erinnert an das ehemalige Kloster „Himmelau“, das nordöstlich davon gelegen hat.

WELTWEITE STANDORTE UND EIN NEUER NAME
Ein wichtiger Meilenstein zum Systemanbieter wird durch den Kauf eines Kunststoff-Werkes in Rülzheim gesetzt. Mit der Gründung der Veritas Dunakiliti Kft. in Ungarn, vollzieht Veritas ab 1995 den ersten Schritt zum „Global Player" in der Automobilindustrie. Das Werk befindet sich im Dreiländereck Ungarn-Österreich-Slowakei unweit von Wien und Bratislava direkt am ungarischen Ufer der Donau. Drei Jahre später wird in Benshausen bei Suhl die „Veritas Thüringen GmbH" gegründet. Direkt gegenüber dem Volkswagen-Werk entsteht im gleichen Jahr im mexikanischen Puebla die „Automotive Veritas de México“.

Über 5.000 Menschen kommen am 12. Juni 1999 auf dem Werksgelände in der Stettiner Straße zusammen, um gebührend zu feiern: Veritas wird 150 Jahre alt. Das Firmengelände wurde zu einem großen Jahrmarkt mit Buden, Festzelt und vielen Attraktionen umgebaut. Die akademische Feier zum Abschluss des damaligen Jubiläumsjahres wurde am 6. Dezember in der Bad Orber Konzerthalle im festlichen Rahmen abgehalten. Ein schon länger vorbereiteter Schritt, der die Erweiterung der Produktpalette und Kernkompetenzen signalisiert, wird im gleichen Jahr gegangen: Das Unternehmen ändert seinen Namen. Ein konsequenter Schritt zur Modernisierung ist die Umfirmierung von „Veritas Gummiwerke AG" in „Veritas AG". Die Kompetenzen liegen schon lange nicht mehr nur in der Herstellung von Gummiartikeln. Kunststoff- und Metallkomponenten gehören ebenso zum Produktportfolio, das Veritas als erfolgreichen Systemlieferanten für die weltweite Automobilindustrie auszeichnet. Nach 32-jähriger Firmenzugehörigkeit scheidet Jürgen Krebaum 2002 als Vorstandvorsitzender aus dem Unternehmen aus und wird Aufsichtsratsvorsitzender.

Die Internationalisierung der Veritas geht 2005 weiter, indem im österreichischen Mieders die metallverarbeitende PS Fertigungstechnik GmbH übernommen wird. Veritas erweitert damit das Produktportfolio: Neben Kautschuk werden auch Kunststoffe und Metall als Teile der Systeme von Veritas geliefert. 2008 wird in der Nähe von Istanbul mit der Veritas Otomotiv ein weiterer Standort für die Spritzgießtechnik gegründet.

MENSCHEN MACHEN MORGEN
160 Jahre Veritas stehen für Kontinuität, Tradition, Geschichte und Wandel. An Veritas lässt sich sehr gut die Entwicklung von Firmen erkennen, die aus „Ein-Mann-Betrieben“ zu Konzernen herangewachsen sind, Wirtschaftsauf- und abschwünge erlebt haben, heute international tätig sind und sich im dritten Jahrtausend den Herausforderungen der Globalisierung stellen. Ob Mitarbeiter, Partner, Kunden und Lieferanten oder die Menschen der Regionen, in denen Veritas vertreten ist, es sind immer Menschen, die zum Wert des Unternehmens beitragen und seine Zukunft formen. Mit genau jenen Worten wird die Philosophie der Veritas umschrieben, denn „Menschen Machen Morgen“.

Die Produktpalette von Veritas reichte einst von Autoreifen und Schuhabsätzen über Süßmost-Kappen und Staubsauger-Schläuchen bis hin zu Gipsbechern und Abfluss-Reinigern. Die Veritas AG von heute ist ein Systemlieferant für die Automobil-Industrie und hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von einbaufertigen, multifunktionalen Aggregaten, deren Aufgaben das Verbinden, Dichten, Transportieren, Messen und Regeln sind, spezialisiert. Die Produkte werden im Motorbereich, in der Karosserie sowie im Tank- und Unterbodenbereich von Fahrzeugen eingesetzt. Seit letztem Jahr sind die Automobilzulieferer schwer von der Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen. Für viele Unternehmen geht es um das blanke Überleben. Veritas steht, durch das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht zuletzt durch eine Eigentümerfamilie, die fest zum Unternehmen steht, vergleichsweise gefestigt da.




Weitere Informationen zur Unternehmensgeschichte finden Sie in der Chronik.

 
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